
In der Sammlung Pi.dev-Toolbelt stelle ich Werkzeuge für die Arbeit mit Pi vor. Den Anfang macht meine Erweiterung pi-blitz-handoff. Sie kümmert sich um einen Übergang, der bei längeren Aufgaben irgendwann nötig wird: Der Gesprächskontext wird voll, die Arbeit ist aber noch nicht fertig.
Zum Kontext gehören die Informationen, die dem Sprachmodell für seine nächste Antwort zur Verfügung stehen. Bei einer langen Sitzung sammeln sich darin Anforderungen, Entscheidungen, gelesene Dateien, Ergebnisse und verworfene Ansätze. Für die Fortsetzung ist nicht alles davon gleich wichtig. Eine längst erledigte Fehlersuche kann viel Platz beanspruchen. Eine kurze Einschränkung des Nutzers kann dagegen bestimmen, was als Nächstes überhaupt erlaubt ist.
Genau darauf zielt pi-blitz-handoff. Die Erweiterung lässt das Modell ein gezieltes Fortsetzungsdossier schreiben und übergibt es als ersten Prompt an eine frische Pi-Sitzung. Die neue Sitzung bleibt über Pis native Sitzungsverknüpfung mit ihrer Vorgängerin verbunden. Der ursprüngliche Verlauf ist dadurch weiterhin erreichbar. [1]
Was muss mit?
Eine brauchbare Übergabe muss mehr sagen als „Wir arbeiten an einer Website“. Was ist der aktuelle Auftrag? Welche Entscheidungen gelten? Was wurde tatsächlich geprüft, was nur geändert? Wo liegt der aktuelle Stand? Und welche Handlung ist als Nächstes freigegeben?
Die mitgelieferte Standardvorlage verlangt diese Unterscheidungen ausdrücklich. Sie hält auch Blockaden, offene Fragen und Arbeiten fest, für die noch eine Freigabe nötig ist. Sitzungsspezifische Laufzeitinformationen werden getrennt von der Liste geladener Skills erfasst. [1]
Das ist besonders wichtig, wenn sich während der Arbeit die Richtung geändert hat. Ein verworfener Ansatz darf nicht als aktuelle Entscheidung wieder auftauchen. Ein erfolgreicher Build darf nicht zu einem bestandenen Browsertest werden. Und aus „lokal fertigstellen“ darf in der nächsten Sitzung nicht plötzlich „veröffentlichen“ werden.
Warum nicht einfach kompaktieren?
Kompaktierung verdichtet den bisherigen Kontext, damit die Sitzung weiterlaufen kann. pi-blitz-handoff setzt den Schwerpunkt auf eine andere Frage: Was braucht eine neue Sitzung, um genau diese Arbeit korrekt fortzusetzen? Die Erweiterung ist dafür ausgelegt, diesen Fortsetzungskontext gezielter zu erfassen. Das ist ihr Zweck, keine Garantie, dass jede Übergabe besser als jede Kompaktierung ausfällt. [1]
Der Unterschied liegt im Auftrag an das Modell und in der anschließenden Übergabe an eine frische Sitzung. Das Modell schreibt das Dossier; die Erweiterung steuert den Sitzungswechsel und übermittelt den Text. Damit bleibt auch die Grenze klar: Eine technisch erfolgreiche Übergabe kann ein unvollständiges oder fehlerhaftes Dossier transportieren.
Und „Blitz“ steht hier für meinen Nachnamen. Ein Geschwindigkeitsversprechen ist es nicht. Eine ausführliche Übergabe kann länger dauern als eine Kompaktierung. [1]
So beginnt eine Übergabe
Die Installation erfolgt über Pis Paketverwaltung: [1]
pi install npm:pi-blitz-handoff
In Pi startet /sh eine Übergabe. Die Erweiterung lässt zunächst feststellen, ob die Arbeit einen geeigneten Übergabepunkt erreicht hat. Bei einer laufenden Zusammenarbeit kann sie eine Auswahl mit Ready / Wait / Cancel anzeigen. Nach der angenommenen Bereitschaft wird das Dossier geschrieben und an die neue Sitzung übergeben. [1]
Auch eine automatische Auslösung anhand der Kontextauslastung ist möglich. Sie ist standardmäßig ausgeschaltet. Automatisch bedeutet dabei nur, dass die Übergabe automatisch angestoßen wird. Ob die nächste Sitzung selbstständig arbeitet, eine Frage stellt oder wartet, richtet sich weiterhin nach den bestehenden Anweisungen und Freigaben. [1]
Während des eigentlichen Transfers werden neu eingegebene Prompts zurückgehalten und in ihrer Reihenfolge mitgegeben. Bleiben nach einem Abbruch solche Eingaben zurück, lassen sie sich über /sh-recover ausdrücklich prüfen, ausführen oder verwerfen. Eine automatische Ausführung übrig gebliebener Eingaben gibt es nicht. /sh-cancel beendet eine laufende Übergabe, solange der native Sitzungswechsel noch nicht begonnen hat. [1]
An die Arbeit anpassen
Die Erweiterung bringt drei Vorlagenprofile mit: Fast, Balanced und Precise. Sie unterscheiden sich darin, wie ausführlich die Übergabe ausfällt und wie viel Kontext die neue Sitzung selbst wieder erschließen soll. Precise ist der Standard. Die Vorlagen lassen sich anpassen und mit /sh-project-template projektbezogen auswählen. [1]
Damit ist die Erweiterung nicht auf einen bestimmten Arbeitsablauf festgelegt. Die Vorlage beschreibt, was bei der Übergabe erhalten bleiben soll. Sie erteilt keine zusätzlichen Befugnisse.
Was sie nicht übernimmt
Ein Dossier überträgt Informationen. Es versetzt keine laufenden Hintergrundagenten oder Shell-Verbindungen in die neue Sitzung. Deren Zustand und Zuständigkeit müssen dort anhand der tatsächlichen Laufzeitumgebung geprüft werden.
Auch die Daten bleiben deine Verantwortung. Dossiers und zurückgehaltene Eingaben können vertrauliche Projektinformationen enthalten und werden als Klartext verarbeitet beziehungsweise gespeichert. Die Erweiterung bietet weder automatische Geheimniserkennung noch Verschlüsselung und ist keine Sandbox. Wie andere Pi-Erweiterungen läuft sie mit den Rechten des Pi-Prozesses. [1]
Für die hier beschriebene Version 1.2.4 werden Node.js ab 22.19.0, Pi ab 0.84.2 und eine interaktive, gespeicherte Pi-Sitzung vorausgesetzt. Sitzungen mit --no-session werden nicht unterstützt. Der Quellcode steht unter der MIT-Lizenz zur Verfügung. [1], [2], [3]
pi-blitz-handoff soll den Neustart nicht unsichtbar machen. Es soll nachvollziehbar festhalten, wo die Arbeit steht und wie sie weitergehen darf.